Wie beweglich ist mein Pferd?

Immer wieder habe ich es mit Pferden zu tun, die wirklich steif und unbeweglich sind.

Und nein – das sind keineswegs nur die 20-jährigen Senioren, leider sind auch viele relativ junge Pferde davon betroffen. Und nicht selten stelle ich dann fest, dass dies den Reitern oder Besitzern noch garnicht bewusst ist.

Deshalb möchte ich in diesem Blogartikel mal die Bedeutung und Überprüfung der Mobilität des Pferdes thematisieren.

Bewegung ist Leben und wer rastet der rostet!

Beweglichkeit ist einer der wichtigsten Grundpfeiler für die langfristige Gesunderhaltung, Leistungsfähigkeit und Rittigkeit des Pferdes.

Dabei kommt es nicht nur auf die großen Bewegungen an. Ein Pferd welches Schritt, Trab und Galopp zeigen und ggf. auch ein paar Sprünge überwinden kann, muss noch lange nicht beweglich und gesund sein. Schließlich sind diese Gangarten für das Fluchttier Pferd elementar. Zeigt es hier Schwäche, würde es in der freien Natur selektiert werden.

Mann muss schon genauer hinsehen um Versteifungen, feste Muskeln und Faszien zu sehen oder zu ertasten.

Auch in den Blut- und Lymphgefäßen muss Bewegung sein und das auch bis in die letzten kleinen Kapillaren. Ist ein bestimmter Körperabschnitt (z.B. die Gliedmaßenenden, also Zehe und Huf) weniger mobil, so sind auch Durchblutung und Lymphdrainage sowie Nervenversorgung eingeschränkt.

Schlechte Drainage bedeutet immer auch schlechte Versorgung der Zellen in diesem Körperabschnitt. Langfristig wird deshalb das Gewebe in diesem Bereich erkranken.

Ein anderes wichtiges Beispiel in diesem Makrokosmos ist die Wirbelsäule. Zwischen den einzelnen Wirbel treten Nerven zur Versorgung des Körpers aus: Muskeln, Sehnen, Haut aber auch innere Organe werden von ihnen erreicht.

Ist nun die Rückenmuskulatur dauerhaft verkrampft und das Tier steht sozusagen im Hohlkreuz, so werden die Nerven zwischen den Wirbeln erhöhtem Druck ausgesetzt – und irgendwann funktionieren sie nicht mehr richtig.

Dies kann in einer verminderten Darmbewegung enden. Oder Gebärmutterprobleme und damit Zuchtuntauglichkeit begünstigen. Oder eben zu schwachen Muskeln führen, welche dann wiederum Gelenke oder ein ganzes Bein instabil erscheinen lassen. Und ein instabiles Bein, z.B. ein drehendes Sprunggelenk, wird irgendwann erkranken und eine Sprunggelenksarthrose ist die Folge.

Hier das ganze nochmal als schematische Zeichnung mit Folgen für die Nervenaustrittsstellen:

Oben: Normalhaltung

Mitte: Durchgedrückter oder Hängerücken

Unten: Aufgewölbter Rücken

Eine frei bewegliche Wirbelsäule vom Kopf bis zum Schweif ist also äußerst wichtig!

Wie kann man nun also selber grob testen, ob ein Pferd Probleme im Bewegungsapparat hat?

Grundsätzlich sollte man darauf achten, ob eine Empfindlichkeit an bestimmten Körperstellen besteht. Ist ein Pferd nur an bestimmten Stellen (außerhalb von Knie und Leiste) oder gar einseitig kitzelig? Reagiert es teilweise mit Schmerz/ Wegdrücken oder Abwehr beim Putzen? Schwitzt es einseitig beim Reiten? Fallen schon äußerlich eine unterschiedliche Bemuskelung von Beinen, Kruppe oder Rücken auf?

Bis auf letzteres bei jungen schiefen Pferden, ist nichts davon normal!

Es ist keineswegs so, dass jedes gerittene Pferd etwas (oder mehr) empfindlich im Rücken sein darf. Passen Sattel, Reitersitz und Training, so sollte das Pferd einen lockeren und dementsprechend druckunempfindlichen Rückenmuskel haben.

Hier ist besonders der Übergang vom Brust- zum Lendenbereich eine empfindliche Stelle. Oftmals sind Sättel zu lang, sodass sie in die Lendenwirbelsäule hineinragen. Oder der Schwerpunkt zu weit hinten, bzw. der Sattel für zu klein für einen Reiter, sodass dieser auf dem Hinterzwiesel sitzt und hier großen Druck auf eine kleine Fläche ausübt.

Ebenfalls sollte die Gurtlage unempfindlich sein. Hier liegen die Brustmuskeln. Sind sie verhärtet, so ist das Pferd z.B. überlastet, hat einen falschen Sattel oder ist nicht korrekt geritten.

Außerdem:

Kann sich dein Pferd noch hinlegen? (Manch ältere Pferde haben solche Schmerzen in den Beinen, dass sie sich nicht mehr hinlegen aus Angst nicht mehr aufstehen zu können. Die Folgen sind natürlich dramatisch – sie können nie in die Tiefschlafphase kommen, die Pferde nur im Liegen erleben)

Kann es sich gut Wälzen und dabei über den Rücken rollen?

Weiterhin gibt es ein paar Tests, die zeigen, wie mobil ein Pferd ist:

Seitliche Biegung:

Durch ein Leckerli kann ausgetestet werden, wie weit sich ein Pferd seitlich biegen kann, bevor es mit der Hinterhand ausweicht. Das Leckerli etwa auf Höhe der Schulterblattmitte seitlich führen Richtung Hüfte – je nach Länge des Pferdes kann es sich bis zur Hinterhand herumbiegen (Als Fohlen konnte sich ja jedes Pferd mal mit dem Hinterbein an den Ohren kratzen).

Wichtig: langsam vorgehen! Das Pferd zu nichts zwingen. Es sollte geschmeidig in diese Bewegung gehen können. Ist es für das Pferd mühsam oder verdreht es dabei nur den Kopf aber biegt nicht den Hals, so stimmt hier schon etwas nicht und du solltest aufhören. Nicht am Halfter ziehen oder sonstigen Druck aufbauen.

Diese Übung ist nicht zum Dehnen und täglichen Wiederholen geeignet!

Oberarmkopfmuskel testen:

Dieser große und wichtige Muskel ist leider viel zu oft verspannt. Dabei ist er der wichtigste Vorführer der Vordergliedmaße – also enorm wichtig für einen freien Gang und korrekte Gliedmaßenführung am Sprung. Er liegt genau über der Drosselrinne.

Bei normaler Kopf-Hals-Haltung (das heißt das Pferd steht entspannt und guckt nicht zur anderen Seite oder nach oben) sollte der Muskel locker mit der Hand zu umfassen sein (Man kann ihn wie einen Becher in die Hand nehmen).

Reagiert das Pferd hier mit Abwehr ist der Muskel verkrampft. Hierfür gibt es viele Ursachen (z.B. zu lange Zehe, verkrampfte Rumpfmuskulatur, Blockaden im Schultergelenk etc. …).

Oftmals sieht man hier schon Anzeichen einer dauerhaften Verkrampfung: Muskelrisse, teilweise mehrere hintereinander.

Aufwölben der Brustwirbelsäule

Mittig in der Gurtlage kraulen/ Hautfalte greifen und das Aufwölben der Wirbelsäule in der Sattellage beobachten. Falls das nicht ausreicht von hinten nach vorne mit einem stumpfen Gegenstand (z.B. Kochlöffelstiel) mittig vom Nabel bis zu den Vorderbeinen mit Druck langsam entlangfahren. Es sollte ein deutliches Anheben der Wirbelsäule sichtbar sein. Diese Übung findet kaum ein Pferd besonders angenehm – etwas Abwehr ist hier also normal.

Sattellage abtasten:

Zum Einen direkt auf den Dornfortsätzen, also mittig auf den Knochen mit etwas Druck tasten. Besteht hier eine Schmerzempfindlichkeit, sollte ein Tierarzt hinzugezogen werden. Entzündungen der Dornfortsätze oder des langen Rückenbandes könnten z.B. die Ursache sein.

Danach beidseits 5-10cm von der Mitte entfernt vom Widerrist bis zur Flanke nach hinten den Muskel durchtasten. Er sollte elastisch und vor allem druckunempfindlich sein.

Test der Hinterbackenmuskulatur:

Diese muss dehnbar sein, damit das Pferd weit unter den Schwerpunkt treten kann.

Man nimmt den Hinterhuf auf, umfasst die Fessel mit beiden Händen und führt das Bein bodennah in einer Geraden Richtung der vorderen gleichseitigen Fessel. Im Idealfall kann der Hinterhuf die vordere Fessel berühren. Falls jedoch schon auf Höhe des mittleren Bauches Schluss ist, sollte genauer geschaut werden.

Falls alle diese Übungen gut klappen - super!

(Auch wenn das natürlich kein Garant ist, dass nicht irgendwo noch ein Erbsbein blockiert ist oder ein Zahn scharfe Kanten hat! Diese Tests dienen wie gesagt nur der groben Übersicht :-) )

Viel Spaß beim Ausprobieren!

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